"Jeder Terror ist ein Akt gegen die Menschlichkeit"

Weder ein Volk noch eine Nation haben den Terrorismus erfunden. "Terror" [lat.], ist die Methode der Einschüchterung und Unterdrückung durch Gewaltanwendung, die "Furcht und Schrecken" verbreitet und findet auf allen Ebenen der Gesellschaft statt: in der Familie, in Firmen, Konfessionen, Gewerkschaften, Parteien usw. ...

Weder die Vereinigten Staaten von Amerika, noch sonst ein Staat, ein Volk oder eine Nation haben ‚den Terror’ oder ‚Terrorismus’ erfunden. Vielmehr leitet sich der Begriff etymologisch vom lateinischen ,terror’ (dtsch.: Angst, Schrecken) ab, mithilfe dessen Anwendung gegenüber Dritten man zu erzwingen sucht, was man auf zivilisiertem Wege – durch Verhandlung, Überzeugung, Tausch – nicht zu erreichen vermag. Daraus darf grundsätzlich abgeleitet werden: Terror ist per se ein Akt der Hilflosigkeit, also ein eklatanter Beweis von Schwäche. Dabei ist Terror, den einer (als Einzelner wie auch als Gruppe/Staat) gegen einen anderen ausübt, beileibe nicht auf physische Gewalt beschränkt, vielmehr bedient sich der Terror Ausübende fallweise körperlicher (als Staat eben z B. militärischer), aber auch emotionaler Mittel, der Androhung von unliebsamen Folgen und Strafen, um sein Ziel ggf. auch per Zwang durchzusetzen. Ob also ein Mensch dem anderen Gewalt androht, um dessen Brieftasche zu ergattern, oder George W. Bush dem Iran mit ,ernsten Konsequenzen’ droht (für den Fall, daß dieser sein Atomprogramm nicht aufgibt), ist prinzipiell dasselbe.

Aber auch der Vater, der mit Prügeln sein Kind ‚zur Räson’ zu bringen versucht oder mit Essensentzug droht, übt damit Terror auf den mutmaßlich Schwächeren aus. Zumeist verkannt (zumindest jedoch unterschätzt) wird aber, daß auch die Inaussichtstellung von Ausgrenzung aus einer Gemeinschaft, deren Zugehörigkeit und Schutz man sucht, beim davon Betroffenen Ängste auslösen kann. Dieses Mittels – Liebesentzug, Schüren von Verlassenheitsängsten, Verlust des Arbeitsplatzes, etc. – bedienen sich Menschen und Sozialitäten/ Sozialgemeinschaften unterschiedlicher Größe und Couleur (Familie, Bürogemeinschaft, Firma, Gewerkschaft, Partei), um den Willen des Individuums zu brechen, die systemische Ordnung aufrechtzuerhalten, Vorschläge (und allzu neue Ideen) abzublocken und drohende Veränderungen, i.e. Abweichungen von der bisher gültigen Norm zu unterbinden. Mit dem Mittel des Terrors versucht also eine Seite, ihren eigenen (vermeintlich bedrohten) Vorteil zu wahren – ohne Rücksicht auf die Interessen des Anderen.

(Gekürzt aus: "zeitreport" Nr. 165, 2007, H.-W. Graf)

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